Samstag, 11. Januar 2014

Flitzekacke: aber nicht zu schnell!

Heute möchte ich euch einen echten Klassiker präsentieren. Erneut geht es dabei um Körperfunktionen im Straßenverkehr!
Autofahrer Otto, den wir am besten gleich den "flotten Otto" nennen wollen, litt unter starkem Durchfall. Plötzlich drängte es ihn so sehr, dass er möglichst schnell ein stilles Örtchen auf einem Autobahn-Parkplatz aufsuchen wollte. Dabei fuhr er jedoch 50 km/h zu schnell und wurde erwischt. Er erhielt die übliche Strafe mit einer Geldbuße von DM sowie einem Monat Fahrverbot. Hiergegen zog er vor Gericht.

Die erste Instanz meinte dabei allen Ernstes, dass unser flotter Otto trotz Anwesenheit einer Mitfahrerin (!) sein Geschäft notfalls direkt im Auto hätte erledigen müssen! Dies wurde dann aber durch das OLG Zweibrücken mit folgender Begründung zumindest teilweise korrigiert (Urteil vom 19.12.1996, Az. 1 Ss 291/96): Eine Abwägung zwischen dem Schamgefühl/ der Würde des "flotten Ottos" und der Sicherheit des Straßenverkehrs sei notwendig. Wenn der Fahrer nicht etwa auf dem Seitenstreifen hinter seinem Auto hätte die Notdurft verrichten können, dann sei zumindest kein Regelfall mit der oben genannten Strafe von 200 DM plus einem Monat Fahrverbot anzunehmen. Grundsätzlich bleibe es aber natürlich dabei, dass auch ein an Durchfall erkrankter Fahrer nicht mit überhöhter Geschwindigkeit zu einem Parkplatz unterwegs sein dürfe.