Freitag, 25. April 2014

Augen auf beim Auto-Verkauf

Stellt euch vor, ihr möchtet euren PKW verkaufen. Ihr veröffentlicht also eine Anzeige im Internet, auf die sich ein Interessenten meldet. Dieser erscheint zum vereinbarten Termin für eine Probefahrt, stellt sich freundlich vor und besichtigt das Fahrzeug zunächst von außen. Dann bittet er um den Schlüssel und möchte eine kleine Runde drehen.

Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem man als Verkäufer sehr vorsichtig sein muss! Denn schließlich gibt man mit dem Fahrzeug einen nicht unerheblichen Wert aus den Händen. Was passiert, wenn der vermeintliche Kaufinteressent mit dem Auto nicht wieder zurückkehrt? Müsste hier nicht eine Versicherung den Wert des Fahrzeug ersetzen?

Wie so oft, steckt der Teufel hier im Detail. Es kommt genau darauf an, wie der Verkäufer im konkreten Fall vorgegangen ist. Die Versicherung tritt ein, wenn es sich um einen Diebstahl handelt (1.) und der Versicherte nicht grob fahrlässig gehandelt hat (2.).

1. Diebstahl
Prägendes Merkmal eines Diebstahls ist die Wegnahme einer Sache. Wegnahme ist der Bruch fremden und die Begründung neuen Gewahrsams. Gewahrsam ist die von einem natürlichen Herrschaftswillen getragene Sachherrschaft, ähnlich dem Besitz. Zunächst hat der Verkäufer den Schlüssel in Händen und damit auch  Gewahrsam am Fahrzeug. Gibt er den Schlüssel nun freiwillig für eine ausgiebige, vom Interessenten allein durchgeführte Probefahrt ab, so hat der Verkäufer keine Möglichkeit der Einflussnahme mehr. Er könnte z. B. ein Wegfahren nicht verhindern. Der Gewahrsam ist damit freiwillig und vollständig aufgegeben worden. Deshalb kann kein Gewahrsam mehr gebrochen werden, sodass kein Diebstahl vorliegen kann. Die Versicherung muss nicht zahlen. Zwar könnte ein Betrug des vermeintlichen Käufers vorliegen - dieser ist aber nicht versichert!

2. grobe Fahrlässigkeit
Sollte ein Diebstahl vorliegen, so müsste aber noch eine zweite Voraussetzung erfüllt sein, damit die Versicherung in vollem Umfang eintritt. Der Versicherte dürfte den Diebstahl nämlich nicht grob fahrlässig mitverursacht haben, sonst wird der Schadensersatz gekürzt. Grob fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in besonderem Maße außer Acht lässt. Allgemein kann man sich vielleicht merken: Grobe Fahrlässigkeit ist zumindest immer dann gegeben, wenn sich ein neutraler Beobachter denkt: "So doof muss man erst einmal sein" bzw. "wie kann man denn nur?". Auch hier kommt es auf die konkreten Umstände des Einzelfalls an, eine pauschale Einschätzung ist kaum möglich.

Deshalb nun am Ende ein paar Ideen dazu, was man bei Probefahrten beachten sollte (nicht abschließend und natürlich ohne Gewähr): lasst euch einen Ausweis mit Lichtbild zeigen/ geben und vergleicht unbedingt auch das Bild mit der Person; fahrt selbst auf dem Beifahrersitz mit; nehmt ein möglichst wertvolles Pfand; gebt dem Interessenten eine Zeit und ggf. eine Route vor; gebt keinesfalls mehrere Schlüssel, den Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung I) oder gar den Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung II) ab!

Manche werden jetzt vielleicht denken: "Ach, das ist doch alles übertrieben! Immer diese Juristen mit ihren Bedenken und Warnungen. Das wird mir schon nicht passieren.". Klar, so kann man es sehen. Aber der Ärger und der Schaden sind gerade beim Autoverkauf sehr schnell sehr hoch, wenn es dann doch einmal zu einem Diebstahl - oder vielmehr zu einem Verlust des KFZ gerade ohne Diebstahl, siehe oben - kommt. Deshalb möchte ich euch zumindest die Gefahren bewusst machen und um ein gewisses Maß an Vorsicht bitten.