Mittwoch, 22. Oktober 2014

Den Ferrari von der Steuer absetzen

Ferrari F430 Spider
"Einen Ferrari fahren und die Kosten dafür von der Steuer absetzen? Kein Problem!", dachte sich ein selbstständiger Tierarzt - und wurde zuerst vom Finanzamt, dann vom Finanzgericht (FG) und abschließend auch noch vom Bundesfinanzhof (BFH) eines Besseren belehrt.

Der Inhaber einer erfolgreichen Tierarztpraxis ist ein Sportwagenfan und erfüllte sich seinen Traum: Er leaste einen Ferrari Spider mit 400PS, V8-Mittelmotor, Heckantrieb - und das Ganze auch noch als Cabrio! Da schlägt das Herz eines jeden, "Petrolhead" natürlich sofort höher! Übrigens fuhr der Tierarzt vor dem Ferrari einen Porsche Boxster S. Ob er sich darüber beklagte, dass der Porsche beim Zurückschalten ruckelt, ist nicht überliefert. Zu diesem Thema lest gern in meinem Blog-Artikel "Hilfe, mein Porsche ruckelt".

In einem Fahrtenbuch vermerkte der Tierarzt, welche Fahrten mit dem Ferrari betrieblich veranlasst waren. Innerhalb von drei Jahren nutzte er den Sportwagen dabei gerade einmal an 20 Tagen betrieblich. Bei der Steuererklärung zog er von den Gewinnen seiner Praxis stattliche 14 Euro für jeden Kilometer ab, den er mit dem Ferrari zurückgelegt hatte (man denke dabei an die mickrige Kilometerpauschale bei Werbungskosten von gerade einmal 0,30 Euro pro Kilometer, die Ottonormal-Steuerpflichtiger von seinen Einkünften abziehen darf).

Der BFH hatte nun zu entscheiden, ob die Kosten für den Ferrari einen "unangemessenen Repräsentationsaufwand" darstellen. Unangemessene Aufwendungen können nämlich nicht vom steuerpflichtigen Gewinn abgezogen werden, siehe § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 7 Einkommensteuergesetz (EStG). In dem Urteil des BFH vom 29.04.2014 heißt es in Zusammenfassung der ständigen Rechtsprechung, dass die Beschaffung und Unterhaltung teurer Luxusautos nicht unbedingt unangemessene Aufwendungen sind. Es komme darauf an, ob ein "ordentlicher und gewissenhafter Unternehmer" die Kosten im Hinblick auf etwaige Vorteile auch auf sich genommen hätte. Wie so oft, ist dabei eine Abwägung aller Umstände des Einzelfalls vorzunehmen.

Ergebnis der Abwägung des Finanzgerichts - vom BFH bestätigt - war: Die Kosten des Ferrari waren unangemessen hoch. Zu diesem Ergebnis kam das FG insbesondere, weil der Tierarzt nur sehr selten mit dem Ferrari aus betrieblichem Anlass gefahren ist (20 Tage in drei Jahren, siehe oben).

Allerdings ist es dem Tierarzt durchaus erlaubt, zumindest einen angemessenen Teil der Aufwendungen von der Steuer abzusetzen. Zur Ermittlung der noch angemessenen Betriebskosten für einen Firmenwagen stellte das FG auf die Kosten für das teuerste Vergleichsfahrzeug aus der Oberklasse ab: einen Mercedes SL mit starker Motorisierung. Ein solcher kostet offenbar immer noch heftige 2 Euro pro gefahrenen Kilometer. Diesen Wert konnte der Tierarzt also für jeden betrieblich veranlassten Fahrkilometer vom steuerpflichtigen Gewinn abziehen.

Mercedes SL 550











[Quelle: BFH, Urt. v. 29.04.2014, Az. VIII R 20/12, bereitgestellt von voks GmbH auf BFHUrteile.de, abgerufen am 21.10.2014; NJW-aktuell, Heft 35/2014, S. 10.
Bild oben, "Ferrari F430 Spider": Valder137, CC BY 2.0; Bild unten, "Mercedes SL 550": IFCAR, gemeinfrei]